Your browser does not support script
Wo ist Altenbrunslar? Radwege GeologieNaturdenkmal Steinbruch Pressespiegel Ansprechpartner Webmaster
RegionalExpress 38/9 und 98 NVV Bus 442
Geschichte SagenKonrad BelzHistorische Erwähnungen Flurnamen
SPD Ortsverein Feuerwehr Tischtennis Angelsportverein Pfadfinder TSV Brunslar
Mitglieder Sitzungsprotokolle

Vom Reiter ohne Kopf in der Kapelle von Altenbrunslar

über diese Kapelle erzählt man sich auch folgende Sage:

Es war an einem Winterabend nach der großen Völkerschlacht bei Leipzig [16. bis 19. Oktober 1813, Befreiungskriege] Burschen und Mädchen erzählten sich in einem Bauernhause allerlei Geschichten. Die Spinnräder surrten. Da erschien noch als letzter ein junger Bursche, der Schmiedehenner, und berichtete, er habe in der gegenüberliegenden Kapelle, die nur bei Sterbefällen benutzt wurde, ein Licht gesehen. Voller Angst und Schrecken lauschten die Mädchen und dachten schon mit Grauen an der Heimweg. Der Schmiedehenner jedoch in seinem übermut erbot sich, in die Kirche zu gehen und die Bibel von der Kanzel zu holen.

Kopflose Reiter

Kopfloser Reiter auf Notgeld aus Berga/Elster (1921). Quelle: Wikipedia

Er verschaffte sich vom Totengräber den Kirchenschlüssel, bewaffnete sich mit einem schweren Hammer und führte sein Vorhaben aus. Mutig durchschritt er den Kirchengang, kam zur Kanzel und entwendete von der Kanzel die Bibel. Da vernimmt er mit einem Male Pferdegetrappel und versteckt sich schnell in den Frauenbänken.

Ein Reiter sprengt heran, schwingt sich vom schnaubenden Pferd und bindet es an der Kirchentür an. Dann schreitet er auf den Altar los. Mit Entsetzen sieht der Schmiedehenner, daß er ohne Kopf ist und in seinen Armen ein junges, schönes Mädchen trägt.

Vor dem Altar zieht er ein Messer hervor, um es zu ermorden. Da ermannt sich der Schmied; mit voller Wucht und wütend schmettert er mit beiden Armen den Hammer auf eine Frauenbank nieder, daß sie krachend zusammenbricht.

Der Reiter läßt sein Opfer fallen, flüchtet auf sein Pferd und reitet auf und davon. Der junge Bursch rafft das ohnmächtige Mädchen auf und eilt zur Kapelle hinaus ins Bauernhaus. Dort erwartet man ihn und vernimmt mit Frucht und Grauen das Geschehene. Die fremde Jungfrau erwachte unter der Sorgfalt der anderen bald aus ihrer Ohnmacht und erholte sich von ihrem Schrecken. Der Schmiedehenner holte noch den Hammer und die Bibel, verschloß die Kapelle und lieferte den Schlüssel ab.

Die Jungfrau aber reichte ihm später aus Dankbarkeit die Hand zum Ehebunde.

aus: Das heimatliche Sagenbuch von Otto Riemenschneider (Heimatschollen-Verlag, 1951), nach Angaben von Georg Pilgram, Altenbrunslar.

Der Werwolf in der Mähdelle

Vor ungefähr 100 Jahren (Text aus 1951) wurde noch überall in unseren Dörfern das Küferhandwerk ausgeübt. Die Küfer oder Böttcher stellten Wasserfässer, Futter- und Wassereimer, Kohlfässer und Bottiche zum Einpökeln von Fleisch her. Ihre fertigen Waren verluden sie auf Schubkarren und brachten sie zur Kundschaft über Land.

An einem Herbsttag im Jahre 1848 hatte ein Küfer aus Altenbrunslar seine Fässer in Grebenau abgesetzt und kehrte dann, nach Abschluss eines guten Geschäftes, über Wagenfurth und durch den Quiller nach dem Heimatort zurück.

Sein Weg führte durch den Markwald und über die Mähdelle, eine ehemalige Waldwiese. Es war bereits spät abends und stockdunkel. Vor einer kleinen Anhöhe hinter der Mähdelle setzte er seinen Karren einen Augenblick ab, um zu rasten und sich eine Pfeiffe anzuzünden. Als er mit Schwamm und Feuerstein hantierte, erblickte er mit einem Male eine riesenhafte Gestalt mit großen feuerroten Augen, die auf ihn zukam.

Er vermutete sofort einen Werwolf, erschrak heftig, faßte dann aber Mut und rief: "Ding, das sage ich dir, komm nur nicht hierher, ich schlage dich kurz und klein!"

Dann packte er seinen Karren auf und hastete weiter, den Verfolger im Auge haltend, der mit seinen Glühaugen immer näher kam. Da ließ der Küfer seinen Karren los, ergriff seinen schweren Eichenstock, den er stets mitführte, und stürzte auf das Ungeheuer los, das sich schnell umdrehte und im dunklen Walde verschwand. Der Mann konnte in der Aufregung kaum den Karren wiederfinden. Nach Mitternacht erst kam er in Schweiß gebadet zu Hause an. Er glaubte, dass das Untier ein Fremder gewesen wäre, der mit ihm in der Gastwirtschaft in Grebenau gesessen hatte und sich in einen Werwolf verwandelte, um ihn zu berauben.

Route des Küfers

Route des Küfers

aus: Das heimatliche Sagenbuch von Otto Riemenschneider (Heimatschollen-Verlag, 1951)